Das funktioniert nicht, Frau Wiener!

Vielleicht wundern Sie sich, warum ich mich heute erneut zur SUR äußere. Die Brisanz dieses Themas sollte im Berufsstand doch hoffentlich mittlerweile jedem bekannt sein. In Brüssel passiert im August eigentlich zudem nichts – Sommerpause: Die Ausschüsse tagen nicht, die EU-Abgeordneten sind in ihren Heimatländern oder vielleicht auch mal ein paar Tage im Urlaub. Aufgeschreckt wurde ich im Sommerloch jedoch durch die heutige Lektüre eines Interviews mit Sarah Wiener. Einige ihrer dort vertretenen Thesen muss ich einfach für den Weinbau korrigieren.

Sarah Wiener ist der Ansicht, dass durch die Umsetzung der SUR in der ein oder anderen Kultur leichte Ertragsminderungen verkraftet werden müssten. Aufgrund der niedrigeren Faktorkosten bliebe den Landwirten trotzdem mehr Geld! Leider weit gefehlt, Frau Wiener! Der nachhaltige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zur Ertragssicherung und auch zur Erhaltung der Biodiversität ist gerade der Grundstein für eine ökonomisch wie ökologisch nachhaltige Bewirtschaftung von Rebflächen und damit dem Fortbestand der Weinbaubetriebe. Ohne Pflanzenschutz ist es der Rebe nicht möglich, sich vor Krankheitserregern zu schützen und gesund zu bleiben. Nur aus gesunden Trauben wird qualitativ hochwertiger Wein gekeltert. Ertrags- und Qualitätseinbußen in Gebieten mit Pflanzenschutzmittelverbot wären für die Winzer so massiv, dass ihre Aktivität wirtschaftlich nicht mehr nachhaltig durchgeführt werden könnte und sie diese aufgeben müssten. Schwer nachvollziehbar, wie also mehr Geld beim Erzeuger verbleiben könnte!

Die Grundidee von Sarah Wiener ist es, präventiv zu arbeiten und die Natur zu stärken, mit dem Ziel, ganz auf chemische Schädlings- und Krankheitsbekämpfungsmittel zu verzichten. Für den Weinbau ist dies leider nicht umsetzbar. Die Zahl der anzuwendenden Pflanzenschutzmittel (PSM) im Weinbau ist begrenzt. Aktuell sind nur vorbeugende PSM im Weinbau verfügbar. Dies stellt uns in jeder Pflanzenschutzsaison vor große Herausforderungen, insbesondere bei den Hauptschaderregern Echter und Falscher Mehltau. Gleichzeitig bedeutet dies: Im Weinbau muss prophylaktisch Pflanzenschutz betrieben werden, basierend auf Prognosemodellen, um die eigene Ernte zu sichern sowie die Nachbarsparzelle nicht einem erhöhten Übertragungsrisiko auszusetzen.

Schließlich warnt Wiener vor einer großen Biodiversitäts- und Klimakrise, wenn nicht sofort proaktiv an robusten Lösungen gearbeitet werde. Die Biodiversität im Weinberg wird aber gerade durch die Bewirtschaftung geschaffen. Brachliegende, verbuschte Flächen tragen gerade nicht mehr zur Biodiversität bei. Der Ansatz ist also auch nicht tragbar.

Der Berufsstand hat in den letzten Jahrzehnten bereits den Pflanzenschutzmitteleinsatz erheblich reduziert – laut JKI in Deutschland im Vergleich zu den Jahren 2011 bis 2013 bereits um etwa 35 Prozent. Trotzdem muss der Berufsstand die noch vorhandenen Potenziale zur Reduktion genau analysieren und nutzen. Ein verstärkter Einsatz von Recyclinggeräten, das exakte Einstellen der Geräte sowie der Einsatz abdriftmindernder Düsen bieten genauso Einsparpotenziale wie z.B. die Entwicklung verbesserter, kleinräumiger Prognosemodelle oder der Anbau von neuen Rebsorten. Diese Aspekte sind Teil eines umfangreichen Positionspapiers „Pflanzenschutz im Weinbau – Reduktionspotenziale, Grenzen und Perspektiven“, mit dem der Deutsche Weinbauverband in den Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern geht. Wir müssen die Politik jetzt überzeugen, dass dies der richtige Weg zu einem ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Weinbau ist!

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