DWV-Mitgliederversammlung 2023: Richtiges Maß im Vorschlag der SUR verfehlt – Handwerklich schlecht gemachter Vorschlag

DWV-Podiumsdiskussion: v.l. Staatssekretärin Silvia Bender, Bundestagsabgeordneter Harald Ebner, DWV-Vizepräsident Heinz-Uwe Fetz, Vizepräsident des Österreichischen Weinbauverbandes Andreas Liegenfeld und Prof. Dr. Enno Bahrs von der Universität Hohenheim. Quelle: C. Albrecht & DWV

Oppenheim – Im Rahmen der öffentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Weinbauverbandes e. V. (DWV) am 16. Mai diskutierten Staatssekretärin Silvia Bender, Bundestagsabgeordneter Harald Ebner, Vizepräsident des Österreichischen Weinbauverbandes Andreas Liegenfeld und Prof. Dr. Enno Bahrs die Frage „Reduktionsziele und gesunde Reben – europäische Politik für die Praxis?“.

Moderator Heinz-Uwe Fetz, DWV-Vizepräsident, betonte, dass die Winzer:innen sich einen nachhaltigen Pflanzenschutz wünschen. Gleichzeitig sei unklar, wie die Anforderungen aus der weinbaulichen Praxis mit den politischen Reduktionsvorstellungen zusammengebracht werden sollen. „Wir möchten einen nachhaltigen Weinbau in Deutschland stärken, der natürlich auch für die weinbaulichen Betriebe ökonomisch tragfähig sein soll“, erklärte Staatssekretärin Bender. Sie sprach sich für eine Stärkung und Weiterentwicklung des integrierten Pflanzenschutzes aus. Mit Blick auf den ökologischen Landbau setzt sich die Bundesregierung intensiv bei Kommission und insbesondere gegenüber den südeuropäischen Weinanbauländern für die Wiederzulassung von Kaliumphosphonat ein.

„Die letzten 14 Jahre wurde zu wenig getan, um das europäische Pflanzenschutzrecht (Pestizidrichtlinie) umzusetzen. Diese Versäumnisse müssen wir jetzt wettmachen“, meinte Bundestagsabgeordneter Ebner. Aus seiner Sicht sei die SUR zwar gute Absicht, aber handwerklich leider schlecht gemacht. Das müsse jetzt geheilt werden. Liegenfeld ergänzte: „Dieser Verordnungsvorschlag ist ein Rohrkrepierer“. Er empfiehlt, regionale Entscheidungsträger einzubinden und mit Geboten anstatt Verboten zu arbeiten. Dies erhöhe die Treffsicherheit.

Professor Bahrs plädierte für einen Kompromiss: „Für Landschafts- oder kulturprägende Sonderkulturen, insbesondere mit hoher Wertschöpfung, könnte der Einsatz eines risikoarmen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzes in Schutzgebieten als Ultima Ratio zukünftig weiterhin möglich sein“. Gleichzeitig „müssten ausreichend Refugialflächen, bzw. vernetzte Saum- und Randstrukturen geschaffen werden“.

„Der EU-Verordnungsvorschlag zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) ist für eine Vielzahl an Weinbaubetrieben existenzbedrohend. Den Vorschlag können wir so nicht akzeptieren. Hier muss nachgebessert werden. Ich hoffe, dass Staatssekretärin Bender sich tatsächlich dafür einsetzen wird, dass die SUR so nicht kommt, und die ökonomische Nachhaltigkeit des Weinbaus in Deutschland in den gesetzlichen Rahmenbedingungen verankert wird“, resümiert DWV-Vizepräsident und Moderator Fetz.

 

Der Deutsche Weinbauverband e. V., kurz DWV, ist die Berufsorganisation der deutschen Winzerinnen und Winzer. Er vertritt die Gesamtinteressen seiner Mitglieder gegenüber internationalen und nationalen Institutionen und Organisationen und setzt sich dafür ein, die beruflichen Belange der deutschen Winzerschaft zu wahren und zu fördern.

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