DWV-Mitgliederversammlung 2023: Göhring als neuer Vizepräsident gewählt – Schneider zeigt der SUR die rote Karte

Das DWV-Präsidium mit der Geschäftsführung (v.l.n.r.): Vizepräsident Heinz-Uwe Fetz, Vizepräsident Thomas Walz, Generalsekretär Christian Schwörer, Präsident Klaus Schneider, Vizepräsident Jens Göhring, Vizepräsident Peter Albrecht, Vizepräsident Hans Albrecht Zieger. © DWV / dieth+schröder fotografie

Oppenheim – Im Rahmen der ordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Weinbauverbandes e. V. (DWV) am 16. Mai wurde Jens Göhring als neues Mitglied des DWV-Präsidiums gewählt. Der Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen folgt damit auch in dieser Position seinem rheinhessischen Kollegen Ingo Steitz, der seit 2004 das Amt im DWV-Präsidium innehatte. DWV-Präsident Klaus Schneider dankte Steitz für dessen jahrelanges Engagement für die deutsche Winzerschaft und den Weitblick in vielen EU-politischen Themen.

Auf der anschließenden öffentlichen Mitgliederversammlung gab Schneider in seinem traditionellen „Bericht zur Lage“ einen umfassenden Überblick über die Themen, die die Branche bewegen. Im Fokus seiner Ausführungen und Forderungen stand dabei das DWV-Leitthema „Nachhaltigkeit“ mit seinen drei Säulen (sozial, ökologisch und ökonomisch). Existentiell betroffen sieht sich die Branche derzeit durch die Vorschläge der EU-Kommission zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR), zu denen der DWV mehrfach seine Kritikpunkte kommuniziert hatte. Dass man trotzdem weiter über Verbote von Pflanzenschutzmitteln in sogenannten empfindlichen Gebieten, ein 50%-iges PSM-Reduktionsziel und die überbordenen Dokumentationspflichten diskutiere, veranlasste Schneider dazu, dieser Reform figurativ die „rote Karte“ zu zeigen. Er bedankte sich bei den Mitgliedern und der Winzerschaft, die die Kritik des DWV aufgegriffen und auf Landes- und kommunaler Ebene vorbrachten. „Die Politik reagiert: Die EU-Kommission veröffentlichte im November ein ‚non-paper‘, das die Ausnahme der Landschaftsschutzgebiete vom Totalverbot sowie die Möglichkeit des ökologischen Pflanzenschutzes in empfindlichen Schutzgebieten vorschlägt. Aber das ist für uns noch nicht genug“, so Schneider. Insbesondere die Querverbindung zum Verordnungsvorschlag zur Wiederherstellung der Natur bereite ihm Sorgen und mache es unabdingbar, dass die Politik in Sachen praktischer Umsetzbarkeit endlich wieder dem Berufsstand zuhöre. Schneider wies hier auf die Wichtigkeit des integrierten Pflanzenschutzes und die gute fachliche Praxis hin. Der DWV entwickelte zur Unterstützung des Berufsstandes eine Leitlinie, die über die DWV-Webseite heruntergeladen werden kann.

Ökonomisch stellte der DWV-Präsident die Kostenexplosion für Erzeugerinnen und Erzeuger in Verbindung mit einem rückläufigen Inlandsabsatz als weitere Herausforderung für den Berufsstand heraus. Auch Lohnsteigerungen durch eine mögliche Erhöhung des Mindestlohns erhöhten den Kostendruck der deutschen Betriebe.

Schneider betonte in seinem Bericht auch die Bedeutung des Geoschutzes für die deutschen Anbaugebiete: „Seit über einem Jahr wird auf EU-Ebene über die Reform diskutiert. Dank einer zielführenden Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern konnten wir im abschließenden Bericht des Agrarausschusses des EU-Parlamentes erreichen, dass wesentliche Regeln zum Geoschutz in der GMO verbleiben und nicht horizontal geregelt werden“, berichtete Schneider. „Erste Schritte, die zu einer Verwässerung der hohen Standards beim Geoschutz von Wein führen, müssen wir im Keim ersticken!“ Jetzt gelte es, auch den Rat von diesen Positionen zu überzeugen. Großer Diskussionspunkt bleibt weiterhin die Finanzierung der Schutzgemeinschaften: „Die Schutzgemeinschaften, die ehrenamtlich betrieben werden, wo Vorsitzende persönlich vor Verwaltungsgerichte gezerrt werden, wo Rechtsunsicherheit und großer Verwaltungsaufwand die Arbeit erschweren und unsere Mitglieder belasten, brauchen die Möglichkeit einer Finanzierung. Die Beiträge allein durch die Erzeuger tragen zu lassen, wird schwierig. Wir benötigen hier auch Unterstützung vom Staat“, forderte Schneider.

Weitere rechtliche Unsicherheit herrscht weiterhin auch bei der in diesem Jahr in Kraft tretenden obligatorischen Angabe von Nährwert- und Zutatendeklarationen. Schneider kritisierte den nach wie vor fehlenden delegierten Rechtsakt der EU und die Rechtssicherheit rund um die Verwendung eines E-Labels. „Der Wein beansprucht hier keine Sonderregel, sondern sieht das E-Label als moderne Kommunikationsform mit dem Verbraucher an. Wir müssen nur wissen, was wir dürfen und was nicht.“

Sorgenvoll blickte Schneider außerdem auf die europäische Alkoholpolitik. In Irland muss in Zukunft ein Hinweis auf ein mögliches Risiko einer Krebserkrankung in Verbindung mit Alkoholkonsum auf dem Etikett angebracht werden, in Schottland und Belgien diskutiere man über umfassende Werbeverbote. Der DWV fordere hier weiter auf nationaler und internationaler Ebene eine deutliche Trennung moderaten Genusses vom schädlichen Alkoholmissbrauch sowie einer evidenzbasierten Entscheidungsfindung zu dem Thema. Schneider rief den deutschen Berufsstand erneut dazu auf, sich an dem Präventionsprogramm Wine in Moderation zu beteiligen.

Abschließend zog Schneider ein Resümee über das bisherige Vegetationsgeschehen: Einem milden Winter folgte ein trockener Februar, während der März und April eher feucht und kühl waren. Obwohl das Niederschlagsdefizit nicht überall ausgeglichen wurde, bewegt sich das Wachstum in diesem Jahr in etwa auf Höhe des langjährigen Mittels.

 

Der Deutsche Weinbauverband e.V., kurz DWV, ist die Berufsorganisation der deutschen Winzerinnen und Winzer. Er vertritt die Gesamtinteressen seiner Mitglieder gegenüber internationalen und nationalen Institutionen und Organisationen und setzt sich dafür ein, die beruflichen Belange der deutschen Winzerschaft zu wahren und zu fördern.

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